Investitur des neuen evangelischen Pfarrers – Ökumenisches Miteinander soll lebendig bleiben

Dekan Matthias Krack (rechts) führt den neuen geschäftsführenden Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde, Walter Schwaiger, bei der Investitur am Sonntagmorgen in sein Amt ein. (Foto: Anita Metzler-Mikuteit)

Aufgrund der aktuellen Corona-Schutzmaßnahmen haben nur wenige Gläubige am Sonntagmorgen bei der Amtseinführung von Walter Schwaiger in der Christuskirche dabei sein können. Trotz der Abstandsregelungen ist es den Beteiligten im Rahmen des Investitur-Festgottesdienstes gelungen, dem neuen evangelischen Pfarrer einen persönlichen und herzlichen Empfang zu bereiten.

 

Nicht nur Walter Schwaiger stellt sich an diesem Vormittag der Gemeinde vor, sondern auch Matthias Krack. Der 51-Jährige war unter anderem wissenschaftlicher Mitarbeiter an der evangelisch-theologischen Fakultät der Universität Tübingen und hat am 1. Mai als Nachfolger von Hellger Koepff das Amt des Dekans im Evangelischen Kirchenbezirk Biberach übernommen. „Walter Schwaiger wird vieles gleich mit großem Elan angehen“, sagt Matthias Krack, bevor der Nachfolger von Paul Bräuchle aus seinem beruflichen wie privaten Leben erzählt. Der 55-Jährige zeigt sich davon überzeugt, dass an seinem neuen Wirkungsort hier in Bad Saulgau die bisher über viele Jahre gesponnenen Fäden auf eine gute und stimmige Weise zusammenkommen, sich verbinden und verknüpfen lassen. Das Reich Gottes solle in Bad Saulgau weitergebaut werden, fährt er fort. Ein stabiler Grund dafür sei bereits gelegt.

 

In seiner ersten Predigt bezieht sich der zukünftige geschäftsführende Pfarrer zunächst auf Micha 7 der Lutherbibel. Hier geht es unter anderem darum, an seinem Zorn nicht ewig festzuhalten, sondern der jeweiligen Situation mit Gnade zu begegnen. An dieser Stelle nennt Schwaiger Beispiele aus bisher Erlebtem, die zeigen, dass Zorn und Groll „mühelos viele Jahre in unseren Seelen überwintern können“. „Bis er ausbricht wie ein Vulkan, der lange schlief.“ Zerstörerische Emotionen wurden dabei „gehegt und gepflegt“. Alles, was möglicherweise doch für die andere Sichtweise spricht, würde ignoriert und entwertet. „Wie gut ist es da, von Gott zu hören, dass er an seinem Zorn nicht ewig festhält..., wenn Groll und Zorn der Gnade weichen, der Versöhnung und Vergebung“, sagt Walter Schwaiger und thematisiert die Nachwirkungen dieses „Aktes der Befreiung“: Alle würden wieder aufatmen, sich am neuen Miteinander freuen, daran, dass das Leben sich wieder Bahn bricht, die Erstarrung sich löst und das Leben schließlich wieder fließen kann.

 

Er spricht sich dafür aus, in der Gemeinde vor allem auch die Menschen zu suchen und selig zu machen, die voller Groll sind, die einen schweren Fehler gemacht haben und sich diesen nicht verzeihen können. Oder die zu suchen, die tief verletzt wurden oder meinen, immer stark sein zu müssen. „Jeder Mensch hat seine ganz eigene Verlorenheit“, fährt er fort und spricht sich dafür aus, die Gemeinde zu einem Ort der Hoffnung zu machen. Hoffnung hin zu Veränderung, zu Vergebung und Heilung. „Und ich habe große Lust, mit ihnen zusammen diese Hoffnung zu wecken, sie zu leben, zu stärken, zu feiern und mit anderen zu teilen.“

 

Worte des Danks und großer Wertschätzung gibt es auch von den Investitur-Zeugen Nicole Gneiting und Klaus Backhaus. „Du verstehst es, Ökumene zu leben und wirst ein Gewinn für die Kirche hier sein“, sagt die dritte Zeugin Esther Rumpel von der evangelischen Kirchengemeinde Ostrach.

 

Dass das ökumenische Miteinander auch weiterhin so lebendig bleibt wie bisher, darauf hofft auch Dekan Peter Müller und erinnert in seinem Grußwort an die Zusammenarbeit mit Paul Bräuchle, die oft mit der Umschreibung „Peter und Paul“ einherging. „Auch wir werden wieder so ein Markenzeichen finden“, so Peter Müller schmunzelnd. Bürgermeisterin Doris Schröter lässt keine Zweifel aufkommen, dass es in dieser dynamischen Stadt mit ihren herzlichen Menschen weiterhin eine „hervorragende Zusammenarbeit“ mit der Verwaltung geben wird.

Weitere Grußworte kommen von Angelika Grimm von der katholischen Kirchengemeinde Herbertingen, Dr. Jite Erharhaghen von der Freien Christengemeinde, Magnus Hoppe, Bürgermeister von Herbertingen, Schuldekan Michael Pfeiffer und Pfarrerin Stefanie Zerfaß für die Kollegen des Kirchendistriktes.

Der erwartete Regen bleibt an diesem Sonntagvormittag aus, sodass der Posaunenchor im Garten des evangelischen Kinderhauses einen stimmigen musikalischen Abschluss gestalten kann. Deborah und Sebastian Lange haben zuvor den Festgottesdienst mit Musik und Gesang auf berührende Weise umrahmt.

Herzlicher Empfang für Walter Schwaiger

Dekan Matthias Krack (rechts) führt den neuen geschäftsführenden Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde, Walter Schwaiger, bei der Investitur am Sonntagmorgen in sein Amt ein. (Foto: Anita Metzler-Mikuteit)

Nicht nur Walter Schwaiger stellt sich an diesem Vormittag der Gemeinde vor, sondern auch Matthias Krack.