Kirche im Umbruch

Das Forschungszentrum Generationenverträge (FZG) der Albert-Ludwig-Universität Freiburg hat am vergangenen Donnerstag eine von der Deutschen Bischofskonferenz und der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Auftrag gegebene Mitglieder- und Kirchensteuervorausberechnung vorgestellt. Geleitet wurde das Projekt von Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen, dem Direktor des Forschungszentrums, der sich seit vielen Jahren deutschlandweit als Rentenexperte einen Namen gemacht hat.
Untersucht wurde, wie sich Kirchenmitgliedschaft und Kirchensteueraufkommen der beiden großen Kirchen bis 2060 entwickelt.

Die Ergebnisse sind für die Kirchen herausfordernd und verlangen ein Umdenken und Umbauen der bisherigen Verhältnisse: „Die Mitgliederzahl der evangelischen Kirche wird sich bis zum Jahr 2060 in etwa halbieren. Das liegt – und das ist die neue Erkenntnis – aber nur zu knapp der Hälfte am demografischen Wandel – also dem Überhang von Sterbefällen über die Geburten sowie dem Wanderungssaldo. Mehr als die Hälfte des Mitgliederrückgangs beruht auf Tauf-, Austritts- und Aufnahmeverhalten“, erklärt Raffelhüschen.

Was damit gemeint ist, erläutert die Studie näher. Demnach treten bis zum 31. Lebensjahr 30 Prozent der getauften Männer und 22 Prozent der getauften Frauen aus der evangelischen Kirche aus – in der Regel dann, wenn sie ins Erwerbsleben eintreten und erstmals Kirchensteuer zahlen müssen. Weil in dieser Lebensphase junge Familien Kinder bekommen, wirkt sich das auf die Taufzahlen aus.
Liegt aktuell der Anteil evangelischer Kindertaufen an allen Geburten in Deutschland bei 20 Prozent, so rutscht dieser Wert bis 2060 auf 11 Prozent. →
Freilich treten auch jedes Jahr 45.000 Menschen (wieder) in die Kirche ein. Knapp die Hälfte der Eintritte sind Erwachsenentaufen. Die Zahl der Kircheneintritte liegt bei ca. 0,2 Prozent der Kirchenmitglieder. Darüberhinaus finden neun Prozent aller Taufen im Zusammenhang mit der Konfirmation im Alter zwischen 13 und 16 Jahren statt.
Die Forscher ziehen aus der Studie den Schluss, dass die Kirche nur wenig gegen den demographischen Wandel – d.h. die Überalterung der Gesellschaft – unternehmen kann. Bei der Frage, wie junge Erwachsene im Alter zwischen 25 und 35 besser mit ihrer Kirche verbunden bleiben können, sind die Kirchen allerdings mit mehr Ideen und Kreativität gefragt.
Auch wenn die Austrittszahlen in der Friedenskirchengemeinde eher unterdurchschnittlich sind, ist auch diese Kirchengemeinde herausgefordert, Lösungen zu finden, damit junge Menschen sind in ihrer Kirchengemeinde noch mehr beheimatet fühlen und hier einen Ort finden, an dem sie sich gestaltend einbringen können.