Thomas Opitz ist seit Kurzem Geschäftsführer der Diakonischen Bezirksstelle

Die Diakonische Bezirksstelle unterstützt Menschen, die Probleme haben, in vielfältiger Weise: (v. l.) Albrecht Weil, Thomas Opitz, Peter Schmogro und Hellger Koepff

Sie helfen in schwierigen Lebenslagen

Thomas Opitz ist seit Kurzem Geschäftsführer der Diakonischen Bezirksstelle

Seit rund 100 Tagen ist Thomas Opitz Geschäftsführer der Diakonischen Bezirksstelle Biberach der evangelischen Kirche. Damit dieser jahrhundertealte Grundauftrag der Kirche weitergeführt werden kann, muss der 53-Jährige sich ganz aktuellen Herausforderungen stellen.

Fragt man Passanten, was eigentlich "Diakonie" ist, bekommt man von vielen vermutlich die Antwort: "Irgendwas mit Kirche oder so." Das stimmt. Wie beides aber gerade im Bereich der evangelischen Kirche zusammengehört, wissen jedoch viele nicht. "Diakonie" kommt aus dem Griechischen und bedeutet "Dienst". "Diakonie gehört seit jeher zum christlichen Glauben, und zwar als Auftrag, sich um die Menschen zu kümmern, die schwach sind, Hilfe brauchen oder in Schwierigkeiten stecken", sagt Dekan Hellger Koepff, Vorsitzender des Evangelischen Kirchenbezirks Biberach. Auf evangelischer Seite wird der Begriff "Diakonie" auch dafür verwandt, um die zuständigen Stellen zu benennen, die sich um die genannten Aufgaben kümmern.

Im Laufe der Jahrhunderte hat sich die Diakonie in den verschiedenen evangelischen Kirchenbezirken in ganz unterschiedlichen Bereichen ausgeprägt. So kam es in Biberach 1868 beispielsweise zur Gründung eines Krankenpflegevereins, der bis heute fortbesteht. "Die einzelnen Kirchengemeinden schaffen es nicht, sich um alle Themen zu kümmern, bei denen Menschen Hilfe benötigen", sagt Koepff. "Wir übernehmen deshalb auf der Ebene der Diakonischen Bezirksstelle die Dinge, die die Kirchengemeinden überfordern, zum Teil auch in Kooperation mit einzelnen Kirchengemeinden." So ist in Biberach neben den Hilfen im Alter, dem Gemeindepsychiatrischen Zentrum, der ökumenischen Flüchtlingsarbeit (in Kooperation mit der katholischen Caritas), verschiedenen Ladenprojekten auch der sogenannte Grunddienst bei der Bezirksstelle angesiedelt, ein niederschwelliges Beratungsangebot. "Jeder kann dort mit seinen Problemen zu uns kommen", sagt Diakoniepfarrer Peter Schmogro.

Zum Grunddienst zählt Beratung in den Bereichen Partnerschaft, Erziehungsfragen, psychische und materielle Probleme, Arbeitslosigkeit, schwierige Wohnverhältnisse, Probleme mit Behörden und auch Hilfe bei der Kurvermittlung. "Viele dieser Probleme hängen zusammen. Wir klären, wo man zuerst mit der Hilfe ansetzt und fungieren als Türöffner", so Koepff. Mit rund 250 Fällen, die meist mehrere Termine erfordern, haben es die sechs Berater des Grunddiensts pro Jahr zu tun. Rund 200 000 Euro stehen für diese Arbeit zur Verfügung. "Ich weiß, wie schnell man von der positiven Seite des Lebens auf die negative kommen kann", sagt Geschäftsführer Opitz. Der Bayreuther ist Sozialpädagoge und Betriebswirt. 16 Jahre war er in der beruflichen Weiterbildung tätig, des Weiteren Sozialdienstleiter bei der Diakonie in Bayreuth, zuletzt Leiter des Wohnverbunds Salzach-Inn, der sich um Wohnangebote für psychisch Kranke kümmert. Durch seine Partnerin, die aus Oberschwaben stammt, kam es im November 2018 zum Wechsel in die Diakonische Bezirksstelle Biberach. Hier ist er zuständig für rund 20 festangestellte und rund 150 ehrenamtliche Mitarbeiter.

"Ich bin hier zwar noch in der Lernphase, aber ich bringe einen großen Rucksack an Lebens-, Berufs-, und Leitungserfahrung mit", sagt Opitz. Eine zentrale Herausforderung, die er aktuell zu bewältigen hat, ist die Personalentwicklung. "Wir haben langjährige Mitarbeiter in verschiedenen Bereichen, die bald in den Ruhestand gehen. Einerseits geht es darum, junge Kollegen gut einzuarbeiten, andererseits soll die Erfahrung der älteren Kollegen nicht verloren gehen", so Opitz.

Mehr Angebote für ältere Menschen

Inhaltlich ist ihm wichtig, sich den Herausforderungen des demografischen Wandels zu stellen. "Ältere Menschen sollen nicht nur im Bereich der Pflege gut versorgt sein, es geht auch darum, dass sie nicht vereinsamen, sondern ihre sozialen Kontakte erhalten. Dazu gehören zum Beispiel gute Verkehrsanbindungen und andere komplexe Themen, die man nur zusammen mit anderen Akteuren lösen kann." Auch bezahlbarer Wohnraum sei ein echtes Problem, so Opitz. Auch im Bereich Migration habe der Beratungsbedarf in den vergangenen Jahren stark zugenommen, sagt Albrecht Weil, Vorsitzender des Diakonischen Bezirksausschusses.

Sie helfen in schwierigen Lebenslagen

Die Diakonische Bezirksstelle unterstützt Menschen, die Probleme haben, in vielfältiger Weise: (v. l.) Albrecht Weil, Thomas Opitz, Peter Schmogro und Hellger Koepff