Neuer Vorstand bei Mitgliederversammlung gewählt

Der neue Vorstand der ökumenischen Sozialstation Rottum-Rot-Iller mit den kommissarischen Geschäftsführerinnen Christel Dickinson-Rogge (Zweite v. r.) und Dorothea Cerne (r.): Eberhard Lehmann (v. l.), Anton Schlegel, Ulrike Ebisch, Michael Weber, Walkler Caxilé und Alexander Weiß. (Foto: Tobias Rehm)

Sozialstation stellt sich neu auf

Neuer Vorstand bei Mitgliederversammlung gewählt – Wie es jetzt weitergehen soll

Ochsenhausen

Personeller Umbruch bei der ökumenischen Sozialstation Rottum-Rot-Iller: Bei der Mitgliederversammlung vor drei Wochen ist der Vorstand des Trägervereins komplett neu besetzt worden. Der neue Vorstand will nach den vergangenen unruhigen Monaten, in denen viel über die Zukunft der Sozialstation diskutiert und spekuliert wurde, wieder Ruhe in den Verein bringen. „Der neue Vorstand steht für Qualität und Stabilität“, sagt der neue Vorsitzende Michael Weber aus Tannheim. Man wolle Qualität erhalten und Stabilität herstellen.

Die ökumenische Sozialstation wird von den 19 katholischen und den drei evangelischen Kirchengemeinden der Region Rottum-Rot-Iller getragen. Sie alle waren bei der Versammlung vertreten, auch nahezu alle Bürgermeister waren der Einladung gefolgt. Der ehemalige Vorstand wurde entlastet. Peter Züllig, der die Geschäftsführung und das Amt des Vorsitzenden über Jahre hinweg in Personalunion ausgeübt hatte, hatte bereits Ende vergangenen Jahres angekündigt, dass kein Mitglied des bisherigen Vorstands erneut zur Wahl stehen werde. Züllig wurde bei der Mitgliederversammlung ebenso verabschiedet wie Harald Notz. Der ehemalige Bürgermeister von Kirchdorf war 45 Jahre lang Vorstandsmitglied.

Zum neuen Vorstandsvorsitzenden wurde Michael Weber aus Tannheim gewählt. Pfarrerin Ulrike Ebisch aus Kirchdorf vertritt künftig im Vorstand die evangelischen Kirchengemeinden, Pfarrer Walkler Caxilé aus Erolzheim die katholischen. Komplettiert wird das Gremium durch die Beisitzer Eberhard Lehmann, Anton Schlegel und Alexander Weiß, alle aus Ochsenhausen. Letzterer wurde vergangene Woche vom Vorstand zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Laut Satzung stehen zwei weitere Plätze im Vorstand amtierenden Bürgermeistern aus dem Einsatzbereich zu. Von diesem Recht wird aktuell aber kein Gebrauch gemacht.

Bei einem Pressegespräch betont der neue Vorsitzende Michael Weber, dass die Sozialstation gut dastehe. „Ich war angenehm überrascht, wie gut die Zahlen sind.“ Die Mitarbeiter seien motiviert, die Fluktuation gering. Die Basis sei vorhanden, um die angestrebten Ziele zu erreichen: Zunächst bedeute dies, die Qualität zu erhalten und Stabilität herzustellen. Denn die Sozialstation blickt bekanntermaßen auf bewegte Monate zurück (SZ berichtete mehrfach). Nachdem Peter Züllig im Oktober vergangenen Jahres öffentlich gemacht hatte, dass die St.-Elisabeth-Stiftung möglicherweise den Geschäftsbetrieb der Sozialstation ab 2020 übernimmt, hatte es teils heftigen Gegenwind gegeben, auch von Mitarbeitern und Patienten. Daraufhin rückte der Vorstand von diesen Überlegungen wieder ab.


24 Monate Zeit

Der neue Vorstand hat nun bei der Mitgliederversammlung das Mandat erhalten, ein Konzept und einen „Überführungsplan in eine mögliche neue Rechtsform“ in den nächsten 24 Monaten zu entwickeln, erklärt Michael Weber. „Wir müssen in die Zukunft schauen, welche Organisationsformen für uns in Frage kommen.“ Dieser Prozess sei absolut ergebnisoffen. „Wir wollen auch in 15 Jahren noch eine Sozialstation haben, die ein gutes Ergebnis liefert.“

Ulrike Ebisch ergänzt, dass in den vergangenen zehn, 15 Jahren viele Sozialstationen in eine andere Rechtsform überführt worden seien. Deshalb müsse geprüft werden, wie die Sozialstation Rottum-Rot-Iller für die nächsten Jahre am besten aufgestellt sei. Die Bedürfnisse würden sich in allen Bereichen ständig weiterentwickeln. Ein Pfund, mit dem die Sozialstation wuchern könne, seien auf alle Fälle die „Querverbindungen in die Kirchengemeinden“. Diese könne man auch noch ausbauen.

Eberhard Lehmann ist im Zusammenhang einer möglichen Neuausrichtung wichtig zu betonen, dass die Sozialstation kein Sanierungsfall ist. „Wir sehen uns nicht als Sanierer, wir wollen die Sozialstation weiterentwickeln.“ Dazu könnte in den Augen von Alexander Weiß auch die Zusammenarbeit mit stationären Diensten und ambulanten Einrichtungen gehören: die Sozialstation als Netzwerk- und offener Kooperationspartner.

Der erste Schritt ist aber die Besetzung des Geschäftsführerpostens. Nachdem Peter Züllig vergangenen November von diesem Amt zurückgetreten war, hatten die beiden Leitungskräfte Christel Dickinson-Rogge und Dorothea Cerne die Geschäftsführung kommissarisch übernommen. Die Stelle soll zeitnah ausgeschrieben werden, die Besetzung dieses Postens sei nun der nächste Schritt, erklären die Vorstandsmitglieder. Auch eine Mitarbeiterversammlung sei geplant, in der sich der neue Vorstand vorstellt.

Die Vorstandsmitglieder weisen darauf hin, dass sie noch ganz am Anfang ihrer Tätigkeit und somit auch der Überlegungen, wie die Sozialstation „zukunftsfähig“ gemacht werden kann, stehen. Des Stellenwerts der 1974 gegründeten Einrichtung sind sie sich freilich bewusst. So sagt Anton Schlegel aus seiner Erfahrung als Allgemeinmediziner: „Die Sozialstation unterscheidet sich elementar von anderen Anbietern in diesem Bereich.“ Und Pfarrer Walkler Caxilé ergänzt: „Die Sozialstation ist wie eine Familie, das merkt man. So nehmen es die Leute nach außen auch wahr.“

Sozialstation stellt sich neu auf

Der neue Vorstand der ökumenischen Sozialstation Rottum-Rot-Iller mit den kommissarischen Geschäftsführerinnen Christel Dickinson-Rogge (Zweite v. r.) und Dorothea Cerne (r.): Eberhard Lehmann (v. l.), Anton Schlegel, Ulrike Ebisch, Michael Weber, Walkler Caxilé und Alexander Weiß. (Foto: Tobias Rehm)