Eine Pfarrerin, die viel bewirkt hat

Als Abschiedsgeschenk für die Pfarrerin Andrea Luiking und ihren Mann Michael gab es unter anderem eine Holzbank mit dem eingravierten Leitwort „Was gewachsen ist“. (Foto: Markus Dreher)

Mit einem Gottesdienst unter dem Wort „Was gewachsen ist“ (Jesaja 55, 10-11) hat die evangelische Kirchengemeinde Ummendorf ihre Pfarrerin Andrea Luiking verabschiedet. Wachstum bedeute Veränderung, sagte Luiking mit Bezug auf ihren Stellenwechsel nach Ulm. „Wachstum heißt, es geht weiter.“ Sie nehme viel an Erfahrungen mit und sei „neugierig“, was das Wort Gottes auch künftig „in mir und in euch“ bewirke.

Im Mittelpunkt stand der gemeinsame Rückblick auf die neun Jahre ihres Wirkens in der Versöhnungskirche. Die Kirchengemeinderäte sagten, Luiking habe eben nicht sämtliche Aufgaben selber übernommen. So mussten und konnten sich die Laien „auf das besinnen, was in der Gemeinde an Kompetenzen vorhanden ist“ und sie seien „aneinander und miteinander gewachsen“. Unter Luikings Leitung sei „die Gemeinde als Kommunikationsort entwickelt worden, der die Themen der Menschen aufnimmt“, lautete eine der im Wechsel vorgetragenen Würdigungen. Und eine andere: „Durch dich ist eine Form der Gemeindeleitung gewachsen, die nicht das Machen in den Mittelpunkt stellt, sondern das Wirken.“

Erwähnt wurden das Hineinwachsen in die Gesamtkirchengemeinde Biberach, veränderte Gottesdienstzeiten, das Lutherjahr, die Fortschritte in der Ökumene vor Ort, das Flüchtlings- und das Repair-Café sowie die Sanierung des Kirchendachs – um nur einige Stichworte zu nennen. Ein Projekt ende nun, aber „es landet nicht in der Ablage“. Auch der stellvertretende Dekan Gunther Wruck sagte: „Es liegen im Ackerboden der Gemeinde noch einige Saatkörner, die noch nicht aufgegangen sind.“

Dass der Mensch nicht vom Brot allein lebt, griff Luiking in ihrer Predigt auf. Damit das Wort Gottes wirke, dürfe es nicht an der Oberfläche bleiben wie ein Platzregen, müsse tiefer eindringen ins Innere. Und es sei nicht an den Einzelnen gerichtet, ziele vielmehr darauf, „dass wir es gemeinsam umsetzen“, sagte Luiking. „Aus dem Wort wachsen Taten, wenn wir’s ernst nehmen.“

Das Motto der Feier wurde auf vielfältige Weise widergespiegelt – typisch für Luiking, die in ihrer Zeit auch neue Elemente der Gottesdienstgestaltung angestoßen hatte: Zum Abschied nochmals durch Bilder von Beate Bitterwolf, die für die Pfarrerin „die wilde lebendige Kraft des Wachstums“ symbolisieren. Und durch das aus J. S. Bachs Musik herauszuhörende Motiv, wie Gottes Segen dem Regen gleich auf die Erde fällt und ganz viel aufblühen lässt.

Für diese und andere Musik sorgten Miriam Klüglich (Violine), Harald Sinot (Klavier), Manuela Stolz (Oboe) und Brigitte Eichhorn-Friedrich (Orgel). Als Übergang zum anschließenden Empfang erklang in der Kirche der Jazzklassiker „Take Five“ nach Dave Brubeck.

Die Kirchengemeinderäte schenkten Andrea Luiking und ihrem Mann Michael unter anderem eine Holzbank. Die Vertreter vieler Einrichtungen, die mit der Pfarrerin zu tun hatten, verabschiedeten sich persönlich. Die Kinder des evangelischen Kindergartens zum Beispiel mit einem Segenslied. Der katholische Pfarrer Jürgen Sauter sagte, Luiking habe seines Wissens als erste Protestantin in St. Johannes Evangelist gepredigt. Er dankte für das große gegenseitige Vertrauen, das für eine gemeinsame Feier von Eucharistie und Abendmahl nötig gewesen sei.

Bürgermeister Klaus B. Reichert sagte, Luikings Wechsel sei „für die Gemeinde und die Pfarrei ein großer Verlust, aber ich habe größtes Verständnis, dass Sie sich noch mal verändern wollen“.

Text von Markus Dreher

Bildunterschrift: Als Abschiedsgeschenk für die Pfarrerin Andrea Luiking und ihren Mann Michael gab es unter anderem eine Holzbank mit dem eingravierten Leitwort „Was gewachsen ist“. (Foto: Markus Dreher)