Wohlfahrtsverbände lehnen "Anker-Zentren" im Südwesten ab

Stuttgart (epd). Baden-Württembergs Wohlfahrtsverbände wollen keine "Anker-Zentren" für Flüchtlinge im Südwesten. Solche Zentren wären ein Rückschritt gegenüber den heutigen Strukturen der Flüchtlingsaufnahme, teilten sie in einer Mitteilung vom Donnerstag mit. "Anker-Zentren" könnten dazu führen, dass Asylverfahren verzögert statt beschleunigt würden, sagte Reinhold Schimkowski, Vorsitzender der Liga der freien Wohlfahrtspflege, bei der Vorstellung des Liga-Positionspapiers "Asylverfahren und Flüchtlingsaufnahme in Baden-Württemberg - Qualitätsstandards in der Erstaufnahme sichern und weiter ausbauen".
Schimkowski, bezeichnete "Anker-Zentren" integrationspolitisch als fatal. Asylsuchende würden über Monate und Jahre kaserniert. Dies führe zu Gewalt und weiterer Traumatisierung. Die Dauer der Unterbringung dürfe keinesfalls verlängert, sondern müsse vielmehr verkürzt werden.
Beate Deckwart-Boller von der unabhängigen Verfahrens- und Sozialberatung in der Erstaufnahmeeinrichtung in Karlsruhe wies darauf hin, dass die meisten Geflüchteten aus Herkunftsländern mit guten Anerkennungschancen stammten. "Welchen Sinn hat es da, diese Menschen erst mal von der Integrationsförderung auszuschließen, wenn am Ende viele bleiben dürfen?", fragte sie.
Der Flüchtlings- und Migrationsreferent der Diakonie Baden, Jürgen Blechinger, forderte, das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge besser auszustatten. Das Ankunftszentrum in Heidelberg habe gezeigt, dass zügige Verfahren und Qualität der Entscheidungen kein Widerspruch seien.
In Bayern sind die bisherigen Erstaufnahmeeinrichtungen zum 1. August in Ankerzentren umgewandelt worden. Das CSU-geführte Land will damit Vorreiter bei der schnellen Entscheidung von Asylverfahren sein. Alle anderen Bundesländer warten noch ab. Bisher haben nur Sachsen und das Saarland erklärt, Ankerzentren einrichten zu wollen. "Anker" steht für "Ankunft, Entscheidung und kommunale Verteilung bzw. Rückführung". Die Migranten sollen dort zwischen sechs Monaten und eineinhalb Jahren untergebracht werden können. Abschiebungen sollen direkt aus den Zentren erfolgen.
In der Liga der freien Wohlfahrtspflege in Baden-Württemberg sind die elf Spitzenverbände der freien Wohlfahrtspflege zusammengeschlossen. Landesweit gehören ihnen über 380.000 Mitarbeiter sowie 125.000 ehrenamtlich Tätige an. (1755/09.08.2018)
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